André Nendza
rooms




Aktuell:
Das Quintett spielt derzeit das Programm der mit dem Echo-Jazz prämierten CD "rooms restored" und freut sich über jede passende Spielgelegenheit!!!

Stephan Meinberg: Trompete, Flügelhorn
Claudius Valk: Tenor- und Sopransaxophon, Bassklarinette
Hendrik Soll: Piano
André Nendza: Bass
Christoph Hillmann: Schlagzeug

 

 

 



Am vorletzten Tag des letzten Jahrhunderts fand die Konzertpremiere des „André Nendza Quartet“ statt. Danach folgten zwei CD-Aufnahmen („The Invention of rooms“ im Jahr 2000, und 2005 „Wild open rooms“), eine Vielzahl von Konzerten in Clubs und auf Festivals und damit verbunden beste Kritiken in den unterschiedlichsten Musikmedien.

 

 

„Das Quartett ist eigentlich immer der Fixpunkt meiner eigenen Projekte gewesen. Andere meiner Projekte waren medial vielleicht noch auffälliger, aber diese Formation trifft den Kern meiner bevorzugten Haltung zu improvisierter Musik und kompositorischer Gestaltung. Mit vier – jetzt fünf – hervorragenden Musikern meine Art von Jazz zu finden ist im Grunde genug.“

Im Jahr 2007 gab es eine viel beachtete Tournee mit dem Trompeter Paolo Fresu. Es folgte... eine Pause.

In dieser Zeit arbeitete Nendza verstärkt mit Angelika Niescier an ihrem gemeinsamen Programm „The Poetry of Rhythm“, bei dem das Duo im Spannungsfeld zwischen Improvisation und Neuer Musik auf ein klassisches Streichquartett traf. Zudem suchte Nendza ein frisches Verhältnis zum Thema „Songs“ auf der CD „Spectacles“ mit seinem elektro-akustischen Ensemble A.tronic. Darüber hinaus entwickelte sich das Kollektiv „Lemke-Nendza-Hillmann“ zu einem erfolgreichen Dauerbrenner mit mittlerweile 3 CD-Veröffentlichungen. Und auch Arbeit als Sideman und im pädagogischen Sektor gab es mehr als genug.

Gegen Ende des ersten Jahrzehnts stellte sich für den Bassisten zunehmend die Frage „Mit wem und was soll es in eigener Sache weiter gehen?“ Alle seine Projekte waren gut zehn Jahre alt. Zeit für einen Schnitt? Konzentration auf vielleicht nur ein Projekt? Der Zufall ist manchmal ein guter Ratgeber.

Beim beiläufigen Durchhören unbeschrifteter iTunes-Dateien fand ein Titel mein besonderes Gefallen. Nach einiger Zeit realisierte ich, dass es sich bei dem Werk um einen Live-Mitschnitt meines eigenen Quartetts handelte. Ich neige nicht zum Übersinnlichen, aber nahm das Ganze dennoch als klares Zeichen, um mit dieser Formation weiterhin auf neue Erkundungsreisen zu gehen.“

Allerdings war auch klar, dass der bereits begonnene Flirt mit der Trompete in feste Bahnen gelenkt werden sollte. Auch hier lag das Gute mit Stephan Meinberg sehr nahe. Denn der Hamburger Trompeter war bereits in Nendza’s erster Septett-Formation und dann auch bei A.tronic eine feste Größe, und so kommen nun erneut mit einer vielfältigen Persönlichkeit frische Impulse in die bestehende Spielkonstellation.

Es verbindet sich also auf diesem Album, passend zum Titel „Rooms restored“, der Reiz des Neuen mit den Qualitäten des Beständigen.

Räume
Der Begriff „Räume“, der sich von jeher durch die Musik dieser Formation zieht, ist darüber hinaus offen genug, um unterschiedlichste Wege zu beschreiten, und liefert doch ein programmatische Klammer, die das Ganze schlüssig zusammen hält.

Das Bild der „restaurierten Räume“ hebt in diesem Fall vor allem auf die Tatsache ab, dass viele der Kompositionen in diesem Programm ihren ersten Impuls von harmonischen Strukturen klassischer Standards erfahren haben.

Dabei ist weniger die Idee des Schreibens eines neuen Themas über bekannte Changes gemeint.

Vielmehr entwickeln sich neue Formgebungen durch Umdeutung, Verschiebung, Reduktion und Abstraktion des Ausgangsmaterials.

Etwas Altes - nicht nostalgiegeschwängert - in neuem Licht zu betrachten und mit neuen Gestaltungsmöglichkeiten zu kombinieren, erzeugt häufig Zeitlosigkeit.

Und Zeitlosigkeit ist für Nendza die eigentliche Hipness des Jazz.

Und – und da gibt es kein Vertun – diese CD ist eine Jazz-CD.

 „Von allen meinen Projekten ist das Rooms-Ensemble für mich das eindeutig jazzigste. Es pflegt – in seiner klassischen, akustischen Besetzung und durch den durchaus vorhandenen Bezug zur jazzigen Triole – ein unverkrampftes Verhältnis zur Tradition und verleugnet dennoch nicht die unterschiedlichen Spielerfahrungen der Beteiligten.“

Die scheinbar unvermeidliche Frage nach europäischer Prägung und amerikanischem Ursprung scheint dabei eher für das musikwissenschaftliche Seminar gemacht.

Diese Musik stammt vielmehr mitten aus dem Leben und ist durch die Kreativität und den Gruppensinn der Beteiligten geprägt.

„Ich entwickele meine Musik aus meiner Lebensrealität heraus. Und ich habe das Gefühl, dass das auf die meisten Musiker zutrifft. Wir bringen unsere unterschiedlichen Einflüsse - und das ist nicht nur musikalisch gemeint – in den Klang der Gruppe ein. So höre ich beispielsweise bei Christoph Hillmann, obwohl er sich in dieser Formation auf das klassische Drumset konzentriert, doch Klänge, die von seiner Erfahrung mit ethnischer Perkussion inspiriert sind.“

Neben der individuellen künstlerischen Kraft der einzelnen Musiker interessiert Nendza am Jazz immer auch das komponierte Material. Es dient als Ausgangspunkt und Landkarte für eine inspirierte Reise. Dabei geht es auf dieser CD im Kern um die Einbeziehung von kompositorischen Strukturen in der Improvisation.

Der Rahmen ist weder völlig frei, noch bezieht er sich ständig auf gleich bleibende Songformen. Bildhaft gesprochen, kennen die Musiker das gemeinsame Ziel und unterschiedlichste Zwischenstationen, können ihre Reisepläne aber selbst gestalten.